Mikrointeraktionen sind ein zentraler Bestandteil moderner Webanwendungen. Sie geben Rückmeldung, unterstützen die Orientierung und tragen maßgeblich zur wahrgenommenen Qualität digitaler Interfaces bei. Gleichzeitig können gerade diese kleinen Interaktionselemente – etwa Animationen, Hover-Zustände oder visuelle Übergänge – unbeabsichtigt digitale Barrieren erzeugen. Insbesondere für Menschen mit visuellen, motorischen, kognitiven oder vestibulären Einschränkungen können Mikrointeraktionen die Nutzung erschweren oder sogar unmöglich machen. Dieses Projekt setzt sich mit der Frage auseinander, wie Mikrointeraktionen im Web gestaltet sind, welche Barrieren dadurch entstehen können und wie sie im Sinne der digitalen Barrierefreiheit verbessert werden können.
Mikrointeraktionen sind kleine, meist sehr kurze Interaktionen innerhalb digitaler Benutzeroberflächen. Sie entstehen immer dann, wenn Nutzerinnen und Nutzer eine konkrete Aktion ausführen und das System darauf unmittelbar reagiert. Beispiele dafür sind das visuelle Feedback beim Klicken eines Buttons, das Anzeigen einer Fehlermeldung nach einer falschen Eingabe oder eine kurze Animation beim Absenden eines Formulars. Solche Interaktionen dauern oft nur wenige Augenblicke und stehen selten im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, begleiten jedoch nahezu jede digitale Handlung. Obwohl Mikrointeraktionen häufig unscheinbar wirken, erfüllen sie eine wichtige Funktion für die Verständlichkeit und Nutzbarkeit von Interfaces. Sie geben Rückmeldung darüber, ob eine Aktion erfolgreich war, zeigen Zustandsänderungen an oder unterstützen die Orientierung innerhalb einer Anwendung. Dadurch helfen sie Nutzerinnen und Nutzern zu verstehen, was gerade passiert ist und welche Möglichkeiten als Nächstes bestehen.
Auslöser
Löst die Mikrointeraktion durch eine Handlung oder ein Ereignis aus.
Regeln
Bestimmen, wie das System auf den Trigger reagiert.
Feedback
Zeigt den Nutzerinnen und Nutzern das Ergebnis der Aktion.
Loops und Modi
Steuern, wie sich die Interaktion über Zeit oder Nutzung verändert.
Trotz der positiven Effekte interaktiver Elemente lassen sich weiterhin in vielen Webinterfaces Barrieren finden, die Zugang und Nutzung für Menschen mit Einschränkungen erschweren. Gängige Beispiele dafür sind Drag-and-Drop Funktionen, die sich von Nutzern mit motorischen Einschränkungen nur schwer bedienen lassen, oder auch Bilder und grafische Darstellungen, die keine alternative Textbeschreibung bieten und somit von visuell eingeschränkten Menschen nicht aufgenommen werden können. Auch Bewegungen und Animationen, die häufig durch Mikrointeraktionen ausgelöst werden, können schnell eine Überforderung oder Ablenkung für eingeschränkte Nutzer darstellen.
Auf Basis einer Interface-Analyse konnten bestehende Mikrointeraktionen hinsichtlich ihrer Barrieren untersucht werden. Nach der Betrachtung der identifizierten Barrieren wurden sechs zentrale Problemfelder erkannt, die besonders häufig in den Webinterfaces zu beobachten waren. Diese konnten anschließend in Gestaltungsprinzipien überführt werden.